Freitag, 15. September 2017

Jungfrau


Jungfrau  ...            



Zurückgekommen vom Powerman in Zofingen, montags morgens die Beine « en compotte » (platt !), nach 10km rennen/ 50km windsurfend-Kackwellen-reitend-Rennradfahren/5km Wendestrecke mit viel zu steilem Berg hoch und runter joggeln (rennen/laufen für Schnecken!)

Und dann kommt da diese Versuchung: „Willst du nicht die Jungfrau hoch“

Der Kopf schreit: Marathon- Berge-geilgeilgeil!!!!

Und die Beine jammern: Oh haste se noch alle? Bin doch grad erst und sowiso, seit wann laufen wir wieder Marathon

2 SMS mit dem Gatten, 1 Kaffee-Kollegen-Gespräch und 3 Mails später habe ich

  • Zugticket
  • Startnummer
  • Team-Tshirt
  • Freitag  freien Tag

Kleinere Besorgungen werden noch erledigt: Müsliriegel-Grosseinkauf, neuer Trinkgurt (der alte hat 15 Jahre und 10 Marathons gehalten), ein Buch für die Fahrt.






Und samstags stehe ich tatsächlich um 8h55 im letzten Startblock – Zielzeit 6h30 also bei Besenwagen und Zielschluss und strecke 5x die Hände in die Höhe, wenn die Blocks vor mir starten.

Und täglich grüsst der Wahnsinn!

Was mach ich hier? Peng! Startschuss!

Ich zockele los. Vorgabe: 6min/km solange flach, langsamer wird man ganz von alleine.

Die ersten 10 km im Regenwetter fliegen vorbei. Bei 54min habe ich km 10 erreicht und werde ganz von selbst etwas langsamer sobald die Steigungen kommen.

Bei 2h05 zockele ich am 20km Schild vorbei und gleichzeitig an unserem Hotel in Lauterbrunn. Booaaa mein Bett ruft, nein es schreit!

Und wann gibt’s eigentlich Cola?

Das berühmte Rennbröckchen-Halbmarathonloch ist erreicht. Dauert immer bis ca Km 25 an.

Endlich km25, Cola und….

Tadaaa hinter der Kurve versteckt sich diese viel beschworene Wand von Wengen. In Form von 17 Kehren (als MTB-AB-fahrt sicher saugeil!). Ich muss HOCH!

Another Brick in the Wall läuft in Dauerschleife – ich singe mit – deutlich textsicherer als die beiden Luxemburger neben mir J

Jetzt schildern sie schon halbe Kilometer aus.

Irgendwann wird es flacher. Es geht aber auch aus dem Wald raus –der Wind frischt auf und ich bin froh, dass ich soviel Kleider mitschleppe.

Im Ortsdurchgang Wengen bin ich schon gut über 3h30 als der Sprecher die Zielzeit der ersten Frau verkündet: 3h12… Glückwunsch!

Ende Wengen geht es wieder hoch und da stehen zwei Holländerinnen und singen Käse-schwingenderweise ein Lied.

Ja, ich hab was vom Käse abbekommen… All you can eat-Marathon!

Und weiter gehts den Berg hoch. Jetzt richtig im Nebel. Joggen ist seit längerem durch Wandern mit kleinen Joggeleinheiten ersetzt. Die Kilometer sind jetzt geviertelt ausgeschildert und die versprochene Aussicht auf Jungfrau/Eiger/Mönch ist in dickem Nebel verschwunden.

Ich treffe den Herrn, der seinen 27. Jungfrau-Marathon läuft, wir wünschen und gegenseitig Glück.

Bei 38 km geht es ans Eingemachte: Trail.

Ich stelle fest, dass mein Sohn mich auf unserem „sentier des roches“ ohne es zu wissen gut vorbereitet hat. Ich bin trittsicher und flotter als viele andere.

Mit einer Engländerin komme ich auf den West Highland Trail zu sprechen, Wetter genauso beschissen, nur dass die Schotten

  1. Sich fürs Wetter entschuldigen
  2. Den Weg zur nächsten Whiskey-Distillerie erklären.

Je näher ich der 40km Marke komme um so weniger Bäume gibt es. Neben Armlingen und Weste packe ich jetzt meine Plastikhülle aus und die Menschen um mich herum blicken mich sehr neidisch an. Wer hier nichts warmes drüberzieht zittert bis ins Ziel und danach!

Könnte ich mich in meine Tasche stecken würde ich das auch noch tun.

40,5 km im Gänsemarsch geht’s voran.

41km: Höchster Punkt und viel Gedränge. Das liegt an der Stufe, die man nun runter muss. Gute 60cm hoch. Hier stehen 20 Helfer, sie verteilen Schoki und halten den Arm hin um den Läufern die Stufe herunter zu helfen.

Ein Blick auf die Uhr zeigt: Das wird unter 6h!!! Ich aktiviere alles was ich habe, denn es geht bergaaaaaab!

Rennrennnrennnrenn....SCh*** wasndas? Berg??? Soviel zum Höhenprofil! Da war doch noch eine Kackwelle. Erneuter Blick auf die Uhr! Rennnrennnrenn!

ZIEL! 5:57:02-Check-Abklatsch-Trinkflasche von Helfer nehm- Bier von zweitem Helfer noch lieber nehm – Schoki! 300 g von Helferin… noch besser!

Zitternd den Weg zur Gepäckausgabe zurücklegen, endlich den Rucksack im Chaos finden, das Finishershirt überstreifen, wieder durch die Kälte, den Versorgungsstand plündern (1x), Duschen geil!!!! , den Versorgungungsstand plündern (2x), die anderen suchen, den Versorgungsstand aufsuchen (3x), die anderen Finden (mit Versorgung in Backen und Taschen), entscheiden, dass die Bahn zu voll und die Warteschlange zu lange ist und noch eine Runde ins Café.

Glücklich in die Bahn und schon Pläne für nächstes Jahr schmieden! Bei 42 ist noch lange nicht Schluss.



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